Beschränke alles auf das Wesentliche aber entferne nicht die Poesie.

Leonard Koren, Künstler


Von der Makellosigkeit des Unvollkommenen

Ein luxoriöses Haus und der Genuss erlesener Speisen sind Ausdruck der mondänen Welt.

Wählen wir ganz bewußt grob bearbeitete, beinahne grotesk wirkende Gegenstände aus Naturmaterialien, anstelle der feinen, kunstvollen Utensilien aus China passiert etwas eigenartiges: Im geschützten Raum verändert sich unsere Wahrnehmung und die Wirkung der augenscheinlich abstoßenden Gegenstände verkehrt sich ins Gegenteil. Das Nicht-Schöne gewinnt eine unvorstellbare Präsenz, eine Tiefe und ein Gewicht. Es erstrahlt allein dadruch, dass die Gegenstände voller Achtung genutz und wertgeschätzt werden, und zwar als das, was sie in Wahrheit sind. Dienge, die gezeichnet sind vom Lauf der Zeit, die Spuren des Lebens tragen, ohne sie zu verhüllen und ohne Versuch immerwährende Perfektion vortäuschen zu wollen!

Sie sind wie sie sind. So wie auch wir sind - unvollkommen und vergänglich.


WABI SABI untersttzt alles was authentisch ist, da es drei einfachte Wahrheiten anerkennt:

Nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt. Wabi Sabi ist nicht die Abwertung aufgrund von Makeln sondern das Entdecken der Makellosigkeit im Einzigartigen. Es sind die Dinge, die vielleicht für jeden anderen unbedeutend und hässlich erscheinen mögen und die wir lieben. Nicht trotzdem. Sondern genau deswegen. Wabi Sabi Gegenstände sind stets voller emotionaler Wärme, niemals lassen sie uns kalt. Setze auf das Schlichte, auf Materialien die Jahrzehnte überdauern und sieh zu, wie sie gemeinsam mit die altern. Benutze was du liebst.

Alles gerät irgendwann in Vergessenheit und endet im Nichts. So konfrontiert uns Wabi Sabi immer auch mit unserer eigenen Vergänglichkeit - es lehrt eine Geisteshaltung, die weit über Gebrauchsgegenstände und Beachtung des Unscheinbaren hinausgeht.

Um eine Wabi Sabi Umgebung zu schaffen müssen wir zuvor wabigokoro entwickeln - das ist Wabi Sabi in unserem Herzen und in unserem Geist: Indem wir Bescheidenheit leben und dennoch aufrichtige Zufriedenheit finden obwohl alles überflüssige aus unserem Leben entfernt ist und wir die Kunst gemeistert haben jeden Augenblick im Jetzt zu sein.

Die Verneigung vor dem Göttlichen.

Es ist der Knoten. Der allerletzte Knoten der fehlerhaft geknüpft ist.
Ein winziger Wulst nur, kaum wahrnehmbar, doch passt er nicht zum Rest des Teppichs. Dieser Wulst ist kein Zeichen von mangelnder Handwerkskunst sondern ein Zeichen von Bescheidenheit. Ein vollkommener Teppich, so glauben diese Menschen, stelle einen Affront gegen das Göttliche dar, das einzig wahrhaft Vollkommene.

Wabi Sabi wird seit jeher eng mit dem Zen-Buddhismus in Verbindung gebracht; es gilt als das "Zen der Dinge". Das besagt unter anderem, dass alle Dinge, da sie unbeständig sind, uns niemals wahrhaftig zufrieden stellen können. Es ist das Unbeständige selbst, das wir annehmen müssen. Wabi Sabi lehrt, dass alles sich aus dem Nichts ernährt , da alles vergeht.

Auch deshalb wurde diese Lehre nichtmals wirklich definiert: Was bleibt ist dieses: Wabi Sabi beschreibt ganz bewusst etwas Unbeschreibliches. Etwas, das wir nur in uns selbst finden, in den Tiefen unserer Seele erspüren können. Es gibt keinen Leitfaden und kein Buch. Genau genommen existiert bis heute nicht einmal eine konkrete Definition dessen, was Wabi Sabei eigentlich ist. Und auch das ist Absicht - ein alter Brauch aus dem Zen-Buddhismus: Grundlegende Erkenntnisse werden niemals durch das gesprochene oder geschriebene Wort übermittelt sondern allenfalls auf geistiger Ebene erfahren um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Nur so kann Wabi Sabi seine rätselhaften, kaum fassbaren Eigenschaften bewahren und wird ihrem Wesen nach überhaupt nie volllkommen begriffen. Denn am Ende stellen die fehlenden Kenntnisse einfach nur einen weiteren Aspekt der dem Wabi Sabi innewohnenden Unvollständigkeit dar...


Wabi Sabi ist das Glück einer kleinen Hütte, ein Teller Gemüse aus eigener Ernte und der Klang des Frühlingsregens.